von SnowboarderMBM

DECATHLON will einen festen Platz in der Snowboard-Industrie einnehmen. Dafür hat das Unternehmen mit dessen R&D-Team, Produktionsstätten und Testgeländen am Mont Blanc Bedingungen geschaffen, von denen manche Brands nur träumen. Skepsis über das Preis-Leistunsverhältnis machten jedoch vor den Türen des MBM-Büros nicht Halt. Deshalb reisten wir zum Headquarter in die französischen Alpen, um mehr über DECATHLON Snowboards zu erfahren.

Sport für alle

„Möglichst vielen Menschen die Freude am Sport zu ermöglichen“, ist seit der Gründung DECATHLONs 1976 der Firmenleitsatz, erklärt uns Snowboard-Produktchef Philippe Tiercin. Um das einhalten zu können, gibt es in den DECATHLON-Stores Artikel aller Sportarten unter einem Dach – von Ping-Pong-Schlägern über Tauchausrüstung bis hin zu Snowboards. Mit mehr als 1.500 Filialen weltweit wird außerdem dafür gesorgt, dass nicht nur westliche Großstädter Zugang zu Sportartikeln haben, sondern auch Menschen aus ländlicheren Regionen. Laut DECATHLON probiert das Unternehmen deshalb, die Preise stets so günstig wie möglich zu halten, damit nicht unbedingt der Kontostand Menschen daran hindert, verschiedene Sportarten auszuüben. Klingt nobel – und tatsächlich bekommt man wohl in kaum einem Geschäft Sportartikel so preiswert wie bei den Blauweißen: Snowboards für unter 200 EuroWinterjacken für ‘nen Hunni oder Schneebrillen für 44,99 Euro.

Diese himmlischen Preise sind allerdings auch DECATHLONs vermeidliche Schwachstelle. Denn „wie soll ein Produkt mit einem Markenartikel mithalten, wenn es ein Drittel davon kostet?“, hinterfragen Kritiker. Und „macht DECATHLON mit seinen Preisen nicht den Einzelhandel kaputt?“ Mit diesen und weiteren Vorwürfen konfrontieren wir die Führungsetage von DECATHLON Snowboards. Ihre Antworten überraschen uns.

DECATHLON Snowboards – Fluch oder Segen?

Das Haar in der Suppe

DECATHLONs Produktmanager Philippe reagiert auf die Preiskritik gelassen. „Wir produzieren in den gleichen Fabriken wie einige bekannte Snowboardmarken, nutzen die gleichen Materialien“, sagt er. Das Produkt nur an dem Preis zu messen, sei deshalb falsch. „Bei DECATHLON haben wir ein komplett anderes Geschäftsmodell, was es uns erlaubt, die Produkte viel günstiger anzubieten.“ Damit meint er: DECATHLON verzichtet trotz seiner Größe komplett auf Sponsoring von Athleten und sieht auch keinen Grund, viel Geld in Werbung zu stecken. Den größten finanziellen Vorteil hat das Unternehmen jedoch aufgrund seiner Größe. Während Wettbewerber für Materialien verhältnismäßig viel Geld zahlen müssen, kann DECATHLON Mengen ordern, die für viel Ersparnis sorgen.

Funktion und Preis sind die wichtigsten Faktoren für uns.

Snowboard-Produktmanager Philippe

„Außerdem verzichten wir bei unseren Produkten auf nicht zwingend notwendige Features“, sagt Philippe und erklärt: „Schauen wir uns die Jacken an. Da nehmen wir die gleichen recycelten, umweltfreundlichen Stoffe wie andere Firmen. Doch verarbeiten wir diese anders: Statt teuren Reißverschlüssen nehmen wir günstige und lassen ein Stück Stoff über diese lappen, um sie abzudichten. Oder Brusttaschen: Die kann man so schneidern, dass sie hauptsächlich modisch sind und viel Zeit bei der Produktion in Anspruch nehmen. Wir gestalten das Design so, dass Arbeitsschritte in der Produktion gespart werden können und machen das Produkt dadurch günstiger. Funktion und Preis sind die wichtigsten Faktoren für uns.“

Um dennoch verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, bietet DECATHLON seine Artikel stets in drei Preiskategorien an: Die 100er-Serie für Basic-Produkte und Low-Budget, die 500er-Serie fürs mittlere Preissegment und die 900er-Serie für viel Komfort, die eben ihren Preis kosten. Allerdings ist selbst die 900er-Serie im Normalfall wesentlich preiswerter als Konkurrenzprodukte und beinhaltet auch nicht mehr Features, als DECATHLON für notwendig hält.

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Die Prototypen werden im Headquarter in Frankreich hergestellt und auf den Pisten nebenan getestet, bevor sie in Serie produziert werden.

DECATHLONs Zielgruppe

DECATHLONs Produkte mögen in Profi-Tests nicht mit den Boards der besten Rider der Welt mithalten – aber dafür wurden sie auch nie designt. Ein wichtiger Schritt beim Verstehen des DECATHLON-Kosmos ist es, nachzuvollziehen, dass die Franzosen nicht als Konkurrenz in die Core-Szene eindringen wollen, sondern sich vielmehr da positionieren, wo die etablierten Marken kaum stattfinden. DECATHLONs Preis- und Produktpolitik spricht eben jene Shredder an, die es nur selten an den Hang schaffen und solche, die mit Snowboarden nicht gerade ihr Geld verdienen. Die, die eines Tages in die Core-Szene vordringen wollen, werden auf dem Weg dahin von DECATHLON-Produkten durch günstige Preise und einfach zu fahrende Produkte (die natürlich irgendwann an ihre Grenzen stoßen) unterstützt.

DECATHLON Snowboards – Fluch oder Segen?

Seriously Playfull

„Wir sind keine Wettbewerber zu Burton oder anderen Global Playern“, sagt Philippe zum Abschluss. „Wir produzieren unter den gleichen technischen Standards, mit den gleichen Materialien, aber wir sprechen eben auch Leute außerhalb der 15- bis 25-Jahre-Range an. Wir designen für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten – aber eben nicht für Pros.“

Wer letzten Satz berücksichtigt, wird viele Zweifel an DECATHLON wohl relativieren können. Denn DECATHLON kann und will nicht in die Core-Szene eindringen und andere Brands verdrängen. Darauf ist weder das Firmenkonzept noch die Snowboard-Range angelegt. Ihre Produkte helfen besonders Anfängern und Hobby-Snowboardern, überhaupt Zugang zum Sport zu bekommen. Das Konzept, wie wir es aus der Core-Szene kennen, und das, was DECATHLON in den Stores weltweit anbietet, kann koexistieren. Es kann sich sogar gegenseitig stützen.

Wohl kaum ein Anfänger will mehrere Hundert Euro ausgeben für ein Snowboard-Set, ohne zu wissen, ob ihm der Sport überhaupt gefällt. Andererseits befriedigen auch die durchgerockten Leihboards nicht alle Beginner. Genau in diese Lücke passt DECATHLON perfekt rein. Das Firmenkomnzept hilft dabei, den Sport weiter wachsen zu lassen, indem es Leute anspricht, für die Wintersport bisher nicht infrage kam. Und das kommt allen von uns zugute – auch den Shops, die derzeit noch in Aufruhr sind.

Wir danken MBM für diesen aufschlussreichen Beitrag. Und falls ihr jetzt mehr über unsere Snowboards erfahren wollt, dann klickt hier.

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